Dorle Rath

Sängerin | Krankengymnastin

Lale-Andersen-Archiv

b. | LEBEN & WERDEGANG

b.01 | Lebensweg & Biographie

Doris (“Dorle”) erhält schon als Kind Cello-, Klavier- und Gesangsunterricht[5] | 1946 wird Kurt Wege auf das Gesangstalent der 24-Jährigen bei einer Hochzeitsfeier in Hamburg aufmerksam[2|3] | sie wird Refrainsängerin beim Tanzorchester des NWDR, behält diese Aufgabe allerdings nur knapp zwei Jahre: mit Beginn des Jahres 1948 trennt sich der Hamburger Rundfunksender wieder von ihr, weil ein lautstarker Teil der Hörerschaft swingende und angejazzte Musikarrangements ablehnt; auch Friedrich Meyer und Otto Gerdes müssen daher den Sender verlassen[4] | 1948 wandert ihr Bruder aus der Bundesrepublik Deutschland aus[1] | 1949 schließt sie ihren ersten Plattenvertrag mit der Firma DGG (für die Marke Polydor) in Hamburg und singt nach eigener Aussage “Musik, die keinem weh tut”[1]

1953 übernimmt sie die Leitung des väterlichen Ambulatoriums[1] | sie wirkt als Schauspielerin und Sängerin in verschiedenen Musikfilmen mit: “Das singende Hotel” (1953), “Hochzeit auf Reisen” (1953), “Große Star-Parade” (1954), “Tanz in der Sonne” (1954) und “Preis der Nationen” bzw. “Das Mädchen Marion” (1956)[5]

1956 zieht sie sich aus dem Musikgeschäft zurück und singt danach nur noch im Ahrensburger Kirchenchor[1] | 1981 Rückzug ins Privatleben, beeinträchtigt durch schwere Krankheit[3] | zeitlebens bleibt sie alleinstehend und bewohnt bis zuletzt ihr Elternhaus in Ahrensburg[1]

 

b.03 | Familie

ihr Vater war der Ahrensburger Praxisarzt Hugo Rath | ihre Mutter Veronika Rath geb. Tillmann | ihr älterer Bruder Fritz Ulrich Rath

die Mutter wurde im Nationalsozialismus als Jüdin entrechtet, die elterliche Ehe als sog. Mischehe angesehen und die Kinder als “Halbjuden” verfemt: d.h. Heirat und Studienabschluss in Deutschland waren für beide Jugendliche nicht mehr möglich | 1935 wanderten die Familien der Tante und des Onkels mütterlicherseits aus, im gleichen Jahr wurden der Familie Rath die Reisepässe entzogen und ihr damit die Möglichkeit zur Emigration genommen | seelisch gebrochen, verübte die Mutter 1938 Selbstmord | der Vater arbeitete daraufhin nicht weiter als praktizierender Arzt, begann aus Verzweiflung zu trinken und starb zwei Jahre später nur 64-jährig | vom Vater erbte Doris das Ahrensburger Ambulatorium; seit ihrer Ausbildung 1939 zur Krankengymnastin und medizinischen Bademeisterin in Berlin half sie im Ambulatorium bei der Versorgung der Patienten, durfte das Staatsexamen aber wegen der Nürnberger Rassegesetze nicht ablegen[1]

vier Stolpersteine erinnern heute in Ahrensburg (Waldstraße 8) an das Schicksal der Familie während der Nazidiktatur[1]