20. Juni

Aus der Jahrestage-Sammlung des Lale-Andersen-Archivs

Lale-Andersen-Archiv
20. Juni 1946

Der Landessender Potsdam...

…beginnt als vierter Regionalsender in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) in den frühen Morgenstunden sein Programm. “Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Hier ist der Landessender Potsdam. Sie hören uns auf der Wellenlänge 531,9 m = 564 kHz. Zur Eröffnung unseres Programms spricht zu Ihnen der Vizepräsident der Provinzialverwaltung der Mark Brandenburg, Herr Heinrich Rau.” Als Pausenzeichen dienen die ersten Takte des ersten Satzes aus dem Brandenburgischen Konzert Nr. 1 von Johann Sebastian Bach.[1]

20. Juni 1948

Lale Andersen...

…gibt ein Gastspiel in Berlin und ruft damit in der Viersektorenstadt ein äußerst geteiltes Echo hervor. Zeitungen der französischen und der sowjetischen Besatzungszone urteilen besonders ungnädig und sehen sie mit ihrem Schicksalslied “Lili Marleen” (in offensichtlicher Unkenntnis der Zusammenhänge) als platten Rückfall in NS-Propaganda und Wehrmachts-Truppenbetreuung.

“Lale Andersen plärrt nun heiser ein paar witzlose Lieder vom Matrosenliebchen ins Mikrophon, um sich (trotz Zwischenrufen der Ablehnung und des Gelächters) von einer bestellten Claque zu der Zugabe ‘Lili Marleen’ animieren zu lassen.” Die Verschärfung politischer Gegensätze schneidet quer durchs Berliner Publikum – der Zuhörer wie auch der Berichterstatter.[2]

Ihr Sohn Michael Wilke erinnert sich: “Meine Mutter, die an dem denkwürdigen Tag der Währungsreform in Berlin ein Gastspiel hatte, rief mich in Hamburg an und meinte ganz lapidar, dass ich nun endlich alt genug wäre, um mir eine bezahlte Arbeit, eine Anstellung zu suchen, denn sie selbst wüsste ja noch nicht, ob sie weiterhin Engagements mit einer guten ausreichenden Gage bekommen würde.”[3]


Quellen

  1. Beiträge zur Geschichte des Rundfunks (4/1985), S. 5.
  2. Vier Viertel (12/1948), S. 20
  3. Wilke (2013), S. 72 f.