9. November

Aus der Jahrestage-Sammlung des Lale-Andersen-Archivs

Lale-Andersen-Archiv
9. November 1936

Das Denkmal Felix Mendelssohn-Bartholdys...

…vor dem Leipziger Gewandhaus – vom Stadtrat als „Jude in Erz“ gescholten, von den Nationalsozialisten als Bild eines „Vollblutjuden“ geschmäht – wird in der Nacht vom 9. auf den 10. November ohne Genehmigung entfernt. Der Oberbürgermeister Leipzigs, Carl Friedrich Goerdeler, der sich stets vehement gegen eine Beseitigung des Denkmals ausgesprochen hatte, weilt gerade in Skandinavien, um u.a. in Helsinki einen Vortrag zu halten. Die Ortsabwesenheit des prominenten Fürsprechers wird von den Kulturzerstörern dabei klar ausgenutzt.

Nach seiner Rückkehr prüft Goerdeler die Wiedererrichtung des Denkmals, findet jedoch keine Zustimmung im Stadtrat und bei der Reichsregierung. Daraufhin tritt er wenige Tage später, am 25. November, von seinem Amt zurück. Er beteiligt sich später zusammen mit Henning von Tresckow an Anschlagsplänen gegen Hitler, die ins Stauffenberg-Attentat des 20. Juli 1944 münden.[1]

Renée Franke (links) beim Gespräch in ihrer Wohnung in München-Laim am 21.11.2010 (c) Lale-Andersen-Archiv, Potsdam.
9. November 2011

Renée Franke — TODESTAG

Renée Franke wurde durch die Musikfirma Polydor für die Schallplatte entdeckt und eine der gefragtesten Sängerinnen der jungen Bundesrepublik. Ihre Ausnahme-Karriere war 1954 Stoff für den Kinofilm „Das Fräulein vom Amt“ mit Renate Holm und Georg Thomalla. Tourneen führten sie quer durch Deutschland (samt DDR), von Polen über Belgien bis nach Skandinavien.

Mit Lale Andersen verband sie, wie sie selbst bestätigte, eine sehr herzliche Freundschaft. „Wir haben uns nicht übermäßig oft gesehen, aber wenn wir uns sahen, hatten wir zwei Nordlichter uns immer viel zu erzählen… na, was Frauen eben so ratschen.“

Nach dem Vertragsende bei Polydor 1959 bis zu ihrem Beginn als Radiomoderatorin 1966 sang sie viel für den Rundfunk und für kleinere Tonträgerfirmen: Tefi, Saba, Jupiter. Renée Franke hat bedauert, dass gerade diese Aufnahmen eher unbekannt blieben, denn sie hielt sie stets für ihre besten. Bis 1993 war sie für den Bayerischen Rundfunk tätig und moderierte ihre eigene Sendung („Rendezvous um Mitternacht“).

Renée Franke litt jahrelang an einer Lungenkrankheit. Sie lebte zurückgezogen, blieb aber trotz ihrer Atembehinderung vor Unternehmungslust und geistiger Aktivität strotzend (ihr Lieblingsfilm der letzten Zeit z.B. war „Inglourious Basterds“). Die Sängerin, Moderatorin und leidenschaftliche Amateur-Funkerin starb 83-jährig in München-Laim.[2|3]


Quellen

  1. Eintrag "Carl Friedrich Goerdeler" in: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie. (Stand: 10.03.2019)
  2. Booklet zur CD "Renée Franke: Ding Dong Boogie". Spectre Media 2087479, Murnau 2017.
  3. Persönliche Gespräche, Telefon- und Briefkorrespondenz Renée Franke mit Mathias Deinert 2009–2011.