9. November

Aus der Jahrestage-Sammlung des Lale-Andersen-Archivs

Lale-Andersen-Archiv
9. November 1936

Das Denkmal Felix Mendelssohn-Bartholdys...

…vor dem Leipziger Gewandhaus – vom Stadtrat als “Jude in Erz” gescholten, von den Nationalsozialisten als Bild eines “Vollblutjuden” geschmäht – wird in der Nacht vom 9. auf den 10. November ohne Genehmigung entfernt. Der Oberbürgermeister Leipzigs, Carl Friedrich Goerdeler, der sich stets vehement gegen eine Beseitigung des Denkmals ausgesprochen hatte, weilt gerade in Skandinavien, um u.a. in Helsinki einen Vortrag zu halten. Die Ortsabwesenheit des prominenten Fürsprechers wird von den Kulturzerstörern dabei klar ausgenutzt.

Nach seiner Rückkehr prüft Goerdeler die Wiedererrichtung des Denkmals, findet jedoch keine Zustimmung im Stadtrat und bei der Reichsregierung. Daraufhin tritt er wenige Tage später, am 25. November, von seinem Amt zurück. Er beteiligt sich später zusammen mit Henning von Tresckow an Anschlagsplänen gegen Hitler, die ins Stauffenberg-Attentat des 20. Juli 1944 münden.[1]